Hier stelle ich Ihnen eine Seminarabfolge vor, die ich in einer physiotherapeutischen Praxis mit insgesamt 6 Physiotherapeut/innen (darunter den beiden Geschäftsführern) und 3 Bürokräften durchgeführt habe.
Verbesserung der Zusammenarbeit (ca. 1-2 Tage)

Natürlich können alle ‚nebeneinander her arbeiten’. Jeder hat seine Patient/innen und diese erhalten die Anwendungen, für die der jeweilige Physiotherapeut qualifiziert ist. Aber den tatsächlichen Gewinn einer Praxis mit mehreren Physiotherapeut/innen schöpfe ich nur ab, wenn ich die Synergieeffekte aktiviere, d. h. wenn im Sinne der Patient/innen die in der Praxis bestehenden Ressourcen möglichst effizient miteinander verzahnt werden. Voraussetzung dafür ist, dass alle Mitarbeiter/innen in der Praxis tatsächlich zusammenarbeiten wollen. Da oft eine schnelle Kommunikation untereinander erforderlich ist, ist eine wertschätzende Beziehung unabdingbar, damit es durch die Schnelligkeit nicht zu Spannungen kommt. Sollen und wollen sich alle untereinander in ihrer Andersartigkeit verstehen, bietet es sich an, mal zu schauen, welche Verhaltenstendenzen im Team vertreten sind. Auf dieser Grundlage wird leicht verständlich, aus welchem Grund es ggf. zwischen bestimmten Mitarbeiter/innen immer wieder zu Spannungen kommt und warum andere sich fast blind verstehen. Es zeigt sich auch, wieso bestimmte Mitarbeiter/innen spezielle Tätigkeitsfelder und Aufgaben bevorzugen und andere diese als anstrengend empfinden. Tätigkeitsfelder und Aufgaben können so verteilt werden, dass die Mitarbeiter/innen noch mehr Gelegenheit bekommen, ihre Stärken in die Praxis einzubringen. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Verhaltenstendenzen und Präferenzen steigert also nicht nur den wertschätzenden Umgang untereinander, sondern auch die Produktivität der gesamten Praxis. Für die Effektivität eines Teams ist es nützlich, wenn möglichst unterschiedliche Persönlichkeiten mit ihren unterschiedlichen Präferenzen an Tätigkeitsfeldern und Aufgaben zusammenarbeiten. Die Klärung der Verhaltenstendenzen im bestehenden Praxisteam zeigt auch, welche Bereiche in der Praxis vielleicht noch fehlen – ein guter Hinweis für die Personalplanung in den nächsten Jahren.
Qualitätskriterien (ca. 1 Tag)
Worin liegt eigentlich die Qualität unserer Arbeit? Das kann vieles umfassen: Das beginnt schon mit dem Erstkontakt am Telefon, bei dem Patient/innen über verschiedene Behandlungsmethoden informiert werden wollen. Auch der Zustand der Behandlungsräume ist ein von außen wahrgenommenes Qualitätsmerkmal. Patient/innen werden die Qualität auch daran messen, ob sie sich in ihrem Leiden ernst genommen fühlen, ob ein Informationsfluss zwischen den Therapeut/innen besteht oder sie jedem Physiotherapeuten aufs Neue ihre Beschwerden erklären müssen. Diese Aufzählung kann beliebig fortgeführt werden. Hier lohnt es sich, wenn alle in der Praxis beschäftigten Mitarbeiter/innen gemeinsam mit der Geschäftsführung die eigenen Qualitätskriterien festlegen und Handlungsstrategien für deren Sicherstellung erarbeiten.
Entwicklungsziele für die nächsten 5 Jahre (ca. 1/2 Tag)
In regelmäßigen Abständen sollten zum einen die selbst formulierten Qualitätskriterien überprüft und ggf. korrigiert werden. Zudem bietet es sich an, zu überlegen, wohin sich die Praxis entwickeln soll und wie Patient/innen gewonnen und gehalten werden können. Welche neuen Behandlungsmethoden kündigen sich an und welcher Fortbildungsbedarf für die Physiotherapeut/innen ergibt sich hieraus?
Informationsfluss zwischen den Physiotherapeut/innen (ca. 1/2 Tag)
Der Vorteil von Praxen mit mehreren Physiotherapeut/innen ist, dass die unterschiedlichen Zusatzqualifikationen der Therapeut/innen im Sinne der Patient/innen eingesetzt werden können. Um z. B. Wiederholungen in der Anamnese zu vermeiden oder damit Behandlungen logisch aufeinander abgestimmt sind, ist allerdings ein guter Informationsfluss eine unabdingbare Voraussetzung. Alle Mitarbeiter/innen müssen zusammen Standards entwickeln, die diesen Informationsfluss sicherstellen. Noch entscheidender ist: Alle Mitarbeiter/innen müssen sich an diese Standards halten, denn nur dann ist eine einheitliche und konstante Qualität der Praxis gewährleistet.
Umgang mit schwierigen Patient/innen (ca. 1 Tag)
Meistens sind die Patient/innen motiviert, mit den Physiotherapeut/innen gemeinsam an ihren Beschwerden zu arbeiten. Aber was ist, wenn die Patient/innen ihren Beitrag nicht leisten, z. B. Übungen zwischen den Behandlungen nicht umsetzen, und die Verantwortung ausschließlich auf die Physiotherapeut/innen übertragen? Mitunter müssen Physiotherapeut/innen auch unangenehme Wahrheiten übermitteln. Vereinzelt sind sie mit mangelnder Körperhygiene und unwirschem Verhalten konfrontiert. Kritikgespräche mit Kund/innen sind eine besondere, aber leistbare Herausforderung.


